Lehrer in der Krise – Corona als Chance für die Bildung

Lehrer in der Krise – Corona als Chance für die Bildung

Derzeit befinden wir uns noch immer mitten in der Krise – doch welcher Krise eigentlich genau? Ist es nur die Pandemie oder deckt jene eben neue Krisen auf? Für die Bildung ist das Jahr 2020 eigentlich eine Chance vieles für die Zukunft vorzubereiten – nicht nur im Hygiene-Bereich.

Wir schreiben den 16. März 2020 und auf meinem Terminkalender steht „Journaldienst“. Ein Begriff der Schule für eine Bereitschaft Schülerinnen und Schüler zu betreuen, die nicht zu Hause bleiben können. Es war im Laufe der Folgewochen eine willkommene Abwechslung zum Alltag vor dem Bildschirm. Bereits in den ersten Tagen des ersten Lockdowns war klar, dass viele Schulen keine Ahnung hatten, was jetzt zu tun ist. Gründe dafür sind jedoch sicher nicht in der Faulheit von Lehrerinnen und Lehren zu finden, sondern in Problemen, die seit Jahren da sind.

Wie funktioniert das Lernen eigentlich?

Ich bin kein Mediziner, kein Erziehungswissenschaftler, kein Psychologe, kein Lerntheoretiker sondern Lehrer. Damit habe ich von vielen Dingen nur geringe Kenntnis. Trotzdem muss ich natürlich wissen, wie das Lernen funktioniert – darauf baut mein Unterricht auf. Dabei kann ich das Buch „Lernen“ von Manfred Spitzer sehr empfehlen. Jene, die mich kennen werden wahrscheinlich kaum glauben können, dass ich diesen Autor empfehle, obwohl mein Leben weitestgehend digital verläuft. STOP! Ganz so einfach ist es nicht. Was ich aus diesen kritischen Ansichten auf jeden Fall lernte ist, dass man googeln nicht durch googeln lernt, sondern nur durch viel Hintergrundwissen. Dieser Punkt ist in der Schule sehr gut zu beobachten. Bei Rechercheaufträgen stehen Schülerinnen und Schüler vor einer Monsteraufgabe. Kaum wird die Suchmaschine des eigenen Vertrauens befüllt, werden Millionen von Ergebnissen geliefert. Dabei ergibt sich nun das Problem des Filterns. Das ist auch der Grund, warum bei Referaten Wikipedia zitiert wird.

Ein großes Hintergrundwissen erleichtert die Suche im Internet enorm, weshalb ich sehr viel sehr schnell suchen und finden kann, wenn es sich um digitale Probleme handelt.

Lernen ist motivations- und belohnungsempfindlich. Ohne Motivation und Lob wird der Prozess zum Problem. Ab und zu kann aber auch Bestrafung und Schmerz sehr dienlich sein – man denke einfach an das Beispiel sich den Finger an der heißen Herdplatte zu verbrennen. Dies stellt eine Ausnahme dar. Anhand Spitzers Erklärungen der neuronalen Karten kann ich vereinfacht wiedergeben, dass Lernen umso besser funktioniert, je mehr Wege für den Prozess durchs Hirn vollzogen werden müssen. Haptik unterstützt Lernen genauso wie die Phantasie. Ein klassisches Beispiel wäre hierbei das Erlernen von Vokablen. Wird mit jedem Wort eine Handlung verbunden, muss diese Information über mehrere Wege im Gehirn, was zur Unterstützung des Lernens führt. Dieser ganz kleine Überblick reicht für mein eigenes kleines Gedankenexperiment in diesem Beitrag.

Digitale Bildung – nur so funktioniert es

Das würden sich jetzt manche wünschen und mache eben nicht, ich wünsche es mir nicht. Hochemotional und authentisch kann ich in der Klasse stehen, jedoch keinen vergleichbaren E-Learning Kurs abbilden. Lernpfade bieten eine Abwechslung und Videokonferenzen können auch gut eingesetzt werden, doch ersetzen lässt sich der Präsenzunterricht nicht so einfach.

Ich denke, je älter die Zielgruppe ist, desto besser funktioniert eine selbstgesteuerte Lernphase ohne Präsenz. Kooperative Onlineseminare gibt es bereits – die Virtuelle PH hat dahingehend ein großzügiges Programm.

Aber: In einer Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung schreibt Prof. Dr. Bardo Herzig über digitale Medien:

In didaktischer Hinsicht stellen digitale Medien Lernmaterialien bzw. Lernwerkzeuge dar.

Prof. Dr. Bardo Herzig

Dahingehend nehme ich meine digitale Umgebung auch als Werkzeug wahr. Ich verwende Tools in meinem Alltag um mein Lehrerleben effizienter zu gestalten. Dabei ist mein Ziel nicht das Streben nach mehr Freizeit, sondern nach Weiterbildung und sozial-emotionaler Hilfe für meine Schülerinnen und Schüler. Gerade der letzte Punkt gehört zu einem wichtigen Bestandteil, was ich im Laufe meines Lehramtsstudiums so nicht erfuhr.

… ein Tipp am Rande

Ja, digitale Tools können bei Lernenden gut ankommen. Die Abwechslung zum regulären Unterricht können Lernspiele aber genauso bieten wie Exkursionen. Auch wenn auf den ersten Blick ein Museumsbesuch bei Schülerinnen und Schülern nicht immer sehr gut ankommt, wird das vermittelte Wissen durchaus besser hängenbleiben.

Digitale Medien können den eigenen Unterricht auffrischen – Vielfalt ist das Stichwort. Doch haptische und emotionale Erlebnisse dürfen nicht außer Acht gelassen werden.

Werkzeug – das braucht man

Auch wenn die Diskussion ob digitale Medien gut oder schlecht sind niemals enden will, benötigen Schulen einige Dinge, bevor auch nur an E-Learning zu denken ist. Dabei hätten Entscheidungsträger schon viele Jahre vorher agieren können.

Bevor auch nur das erste Kabel verlegt und der erste Computer ausgepackt wird, müssen Lehrende wissen, was sie tun. Wissen um Medienpädagogik, Medienbildung, Medienerziehung, Urheberrecht, Technik und Anwendungen sind die Grundlage. Was nutzt sonst der Computer im Unterricht?! Ich sehe digitale Medien in der Schulbildung als eine Medaille mit zwei Seiten. Auf der einen werden Lernende auf dem Weg in die Gesellschaft begleitet, vorbereitet unterstützt. Hilfe um das Verstehen, wie Software und Hardware funktionieren sind omnipräsent. Auf der anderen Seite ist ein umfangreiches Wissen über die Welt notwenig um auch nur den Hauch einer Ahnung zu erhalten, wie Software und Hardware funktionieren und anzuwenden sind. Wie oben weiter beschrieben wird nicht nur beim Anwenden gelernt, sondern bereits davor. Ich wage einen schrägen Vergleich aus einem von Manfred Spitzers Vorträgen, wobei er erklärt, wie Kinder laufen lernen:

… vielmehr lernt das Kind das Laufen wie alles andere auch: von Fall zu Fall!

Prof. Dr. med. Dr. phil. Manfred Spitzer

Dabei stellt sich, umgewälzt auf digitale Medien im Unterricht zur Vorbereitung auf „das Leben“, für mich die Frage: Haben wir so lange Zeit oder wäre es nicht effizienter, wenn Kinder in der Schule viel über die Welt lernen und danach digitale Medien verwenden?

Eigenstudie – so war es bei mir

Heute fragen mich viele um Rat, wenn es um digitale Belange geht. Dabei reicht das Spektrum vom nicht funktionierenden Kopierer in der Schule über Webauftritte und Design bis hin zu komplexen Aufgaben am Computer, wobei ein tiefgreifendes Wissen Voraussetzung ist. Kann ich mit digitalen Medien so gut umgehen, weil ich bereits in der Primarstufe (Alter 7-10) mit Computern arbeitete?

» NEIN «

Meine ersten Experimente begannen etwa mit 14 Jahren, als mein Vater einen Computer anschaffte um selbst Fotos der Digitalkamera auszudrucken. Ein ISDN Anschluss mit 56k Modem war mit dabei um mit der Microsoft Windows Millennium Edition im Slow-Motion-Tempo durch das damalige Web 2.0 zu navigieren. Beim Herumspielen mit dem Gerät ist mir ein Fehler unterlaufen, den ich – so wies mich mein Vater an – selbst wieder lösen musste. Eine Lösung brachte einige Tage später das „Internet“ wieder zurück aber erst Jahre später erkannte ich meinen eigentlichen Fehler (Ich deaktivierte einen Treiber).

Ich war einer der letzten meiner Schulklasse, der ein Handy mit Farbbildschirm besaß, der letzte in der Oberstufe, der schnelles Internet zu Hause hatte und erst kurz vor der Matura erwarb ich ein Smartphone, ein HTC Wildfire S. Am Ende meiner Sekundarstufenbildung verwendete ich das Handy bereits um Mitschriften zu digitalisieren, auf Google Drive abzulegen und zu teilen. Ich versuchte mich an verschiedenen Anwendungen im Internet und weil es sehr viel Spaß machte, lernte ich das vermutlich sehr schnell und nachhaltig.

Aus dieser Geschichte leite ich nun ab, dass die Verwendung von digitalen Medien nicht mit zehn Jahren oder gar früher beginnen muss um auf ein späteres, digitaleres Leben vorbereitet zu sein.

Seit drei Jahren unterrichte ich „Digitale Grundbildung“, ein Jahr zuvor bereits mit den Gegenstand „Medienerziehung“ (etwas ganz ähnliches). Dabei sehe ich, wie digitale Medien von Schülerinnen und Schülern im Alter von 10-12 Jahren verwendet werden. Das Führen eines Medientagebuchs gibt mir auch einen Überblick über die private Nutzung – damit gelingt das Thematisieren in der Gruppe auch deutlich einfacher und besser. Durch meine Kenntnisse im Social-Media-Bereich bin ich auch den Lernenden gegenüber authentisch und kann dementsprechend adäquat auf Fragen antworten. 

 

So nutzen die Kinder die Medien

Als der neu geschaffene Unterrichtsgegenstand „Medienerziehung“ – teilweise aus meiner Feder – in die Stundentafel meiner Schule übernommen wurde, war ich sehr froh. Die Überraschung folgt jedoch sehr unerwartet im Herbst. Die Schule war zum damaligen Zeitpunkt bereits mit WLAN ausgestattet und anstatt des herkömmlichen Informatik-Raumes gab es 26 Laptops, die sich automatisch ohne Passworteingabe mit den Netzwerk verbanden.

Damit ausgestattet legte ich los, wie ich es eben für richtig hielt. Inspiriert vom Informatikunterricht meiner eigenen Schulzeit, angereichert mit aktuellen Themen, begab ich mich in die Klasse und die Kinder dort waren zum Teil vollkommen überfordert. Es gab wohl folgendes Problem: Schülerinnen und Schüler, die 2002-2006 geboren sind konnten zum Teil einen technologischen Bestandteil, den Computer, einfach überspringen und trotzdem digitale Medien in Form von Spielekonsole, Tablet oder Smartphone verwenden. Dadurch fehlte für mich ein wichtiger Bestandteil: Wie bediene ich einen Laptop. Ich musste also mit einer vollkommen heterogenen Gruppe arbeiten in der zum einen Personen bereits Computer-Erfahrungen vorwiesen während andere ein solches Gerät niemals zuvor bedienten. Mein persönliches Highlight war eine Schülerin, die ratlos vor dem Laptop saß und nicht wusste, was der Cursor/Mauszeiger ist. Sie wollte wohl mit reiner Gedankenkraft das kleine Pfeilsymbol am Bildschirm bewegen. Als ich ihr den Zusammenhang zwischen Bildschirm und Touchpad erläuterte verfolgte sie nicht nur mit den Augen, sondern mit dem gesamten Kopf die Mausbewegungen. Mit der Zeit legte sich das. Nach einem Semester war ich mir nicht mehr ganz so sicher, wie das in Zukunft weiterhin nachhaltig funktionieren wird. Ich, der sich für digitale Medien aussprach, musste nun feststellen, dass es doch nicht wie vermutet, einfach ist.

Mit den Jahren legte ich mir ein Konzept zurecht – an den Lehrplan der Digitalen Grundbildung angelehnt und verknüpft mit meinem angesammelten Wissen über Medien und Kinder.

Meiner Erfahrung nach werden Medien bei Kindern im Alter von 10-14 Jahren vor allem zum Vergnügen eingesetzt. Dabei spielt die Schule nur eine Nebenrolle, die Hauptrolle kommt den Erziehungsberechtigten und dem Freundeskreis zu. Das Elternhaus entscheidet maßgeblich mit, wie digitale Inhalte bei Kindern ankommen. Werden vorwiegend Spiele (z.B. an der Konsole) gespielt, dann gibt es natürlich kein Wissen darüber, wie Textverarbeitsungsprogramme am Computer funktionieren. Diese Feststellung ist für mich durch Erfahrungen aus der Schule klar und schlüssig.

Nach dem Besprechen von Urheberrecht und dem Recht am eigenen Bild wird vielen Schülerinnen und Schülern erst klar, dass sie schon oft dagegen verstoßen haben, ohne es zu wissen. Auch die eigenen Eltern sind dann Täter. Wenn diese die eigenen Kinder ablichten und im Internet oder Chat-Gruppen (bspw. WhatsApp) präsentieren ohne vorher klar gefragt zu haben. Die Frage kann dabei natürlich nicht lauten: „Darf ich dich fotografieren?“. Eltern müssten den eigenen Kinder auch klar machen, was mit dem Foto passiert und hinweisen, dass solche Fotos dann für viele einsehbar und weiterverschickbar sind (auch wenn es nur die „Insta-Story“ ist). Der Schmale Grad, Eltern über das Kinderwissen zu erziehen, ist nicht einfach.

Die aktuelle JIM-Studie (Medienpädagogischer Vorschungsverbund Südwest) präsentiert auch, dass bei 1.200 12-19 jährigen fast alle (>90%) ein Smartphone aber nur etwa 72% einen Laptop besitzen.

Smartphone, Internet und Musik stehen bei der täglichen Mediennutzung an erster Stelle

JIM-Studie 2020

Social Media bei 11-17-jährigen

Der jährliche Jugend-Internet-Monitor von Saferinternet bietet eine gute Übersicht, was Kinder und Jugendliche (n=400) mit Smartphone und Tablet so nebenher machen. Dabei spielt die Kommunikation und Interaktion mit Anderen eine wesentliche Rolle. Der Vergleich mit Fremden, virtuelle Vorbilder und Werbung stehen dabei im Fokus.  

Wenn ich in der Schule meine Insights und Statistiken von YouTube, Twitch usw. zeige, dann ist oft das Staunen groß. Es gibt auch Fragestunden, wo die Gruppe Fragen stellen kann. Dabei kommt eigentlich immer, wie viel man mit YouTube verdient. Das ist auch klar, da immer ein oder zwei dabei sind, die YouTuber werden wollen. Auf diese Frage gehe ich nur indirekt ein und lenke die Diskussion in eine andere Richtung:

Wer bezahlt eigentlich den YouTuber? Woher kommt das Geld? Bezahlt der, der ein Video anschaut eigentlich Geld dafür.

Die Kinder in der ersten und zweiten Klasse (Mittelschule) sagen oft, dass die Klickzahlen oder die Anzahl der Abonnenten für das Geld sorgen und YouTube dann einfach Geld an die KanalbesitzerInnen ausschüttet. Das ist natürlich so nicht wahr. Vielen wird im Nachhinein erst bewusst, dass sie sich selbst oft Stundenlang Werbung ansehen und durch Produktplatzierungen (Product Placement) in YouTube Videos gelenkt werden. Natürlich ist da mein Unterricht nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn eine Reduktion der Aufruf-Quote erreiche ich damit nicht.

Lücke im System?

Woher sollen denn Lehrende eigentlich wissen, wie sie mit digitalen Endgeräten, Verwaltung und den jeweiligen Gesetzen im Schulkontext umgehen? Wie werden Lehrende auf den aktuellen 8-Punkte-Plan vorbereitet?

Ab dem kommenden Schuljahr werden Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Schulstufe (Sekundarstufe 1; Mittelschule und AHS-Unterstufe) mit digitalen Endgeräten ausgestattet. Dabei gibt es „auch eine bestimmte Anzahl an Geräten für Pädagoginnen und Pädagogen in den teilnehmenden digitalen Klassen“ (Quelle: digitaleschule.gv.at). Das begrüße ich ja eigentlich, doch wie werden die angesprochenen Lehrerinnen und Lehrer darauf vorbereitet? Sicher wird es diverse Weiterbildungsmöglichkeiten geben und Austauschplattformen (formell und informell) sprießen aus dem Boden. Davon bekommen Lehramtsstudierende jedoch nur wenig mit, denn meiner Erfahrung nach wird das Konzept von der Spitze an begonnen und dringt dann erst in Richtung Fundament vor. 

Durch angepasste Lehrpläne, Bücher und Mediatheken wird die Geräteinitiative am Papier in Schulen anlaufen. Schülerinnen und Schüler werden mit Endgeräten ausgestattet und die Fort- und Weiterbildung angekurbelt. Der Rest bleibt für mich ein Gedankenspiel.

Das wünsche ich mir

Einerseits hält die Digitalisierung und der Weg zum Paperless-Office in der Arbeitswelt weiter Einzug. Dokumentenmanagement, Dateimanagement, Textverarbeitung und Tabellenkalkulationen werden weitestgehend mit digitalen Endgeräten abgewickelt. Natürlich möchte ich, dass Schülerinnen und Schüler darauf gut vorbereitet sind. Gelingt die Vorbereitung durch „Auswendiglernen“ gewisser Befehle am Computer? Ein Beispiel: „Speichern unter …“ ist eine großer Herausforderung. Wird ein angelegtes Dokument abgespeichert, muss ein definiertes Ziel angegeben werden – dafür gibt es die Möglichkeit diesen Schritt ganz einfach auswendig zu lernen. Dadurch gelingt die Lösung genau für diese eine, spezielle Umgebung – wenn sich dabei etwas ändert (z.B. das Programm), kann es mitunter sehr schwierig werden. Als Mathematiker ist das vollkommen klar, weil wer nur die Formel kennt oder ein Beispiel auswendig lernt wird bei künftigen Aufgaben eher scheitern, als jener, der das „große Ganze“ im Hintergrund versteht.

Daher lautet meine Empfehlung eben nicht Computer, Laptops oder andere digitale Endgeräte „hart“ zu erlernen, sondern durch einen gezielten und wohl überlegten Einsatz im Unterricht ein unterschwelliges Interesse (wenn auch manchmal erzwungen) zu wecken. Beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler auch außerhalb des Unterrichts mit Inhalten und Wegen und stoßen dabei auf Probleme könnte damit die Chance größer sein, dass sie dieses Problem, vielleicht auch mit Hilfe anderer, lösen. Ein Computerspiel, das vor allem seit 2019 Einzug in Kinderzimmern hält ist Fortnite. Dabei geht es vereinfacht gesagt darum, andere Spielerinnen und Spieler abzuschießen, sodass man als letzter überlebt und damit gewinnt. Warum auch immer ist das Spiel derart beliebt, sodass mehr als 60% meiner Schülerinnen und Schüler es regelmäßig oder unregelmäßig spielen. Wenn ein Fehler im spiel auftritt, dann suchen die Lernenden (verzweifelt) nach einer Lösung. Wenn dieser Punkt erreicht ist, dann entwickelt sich die notwendige Lösungskompetenz. 

Weil es Spaß macht, lohnt es sich für Kinder auch, sich damit weiter zu beschäftigen. Das versuche ich mir zu Nutze zu machen. In der ersten Klasse (etwa 10-jährige) haben viel Freude mit dem gestalten von Glückwunschkarten für Weihnachten. Dabei bietet sich ein erster Einstieg in Textverarbeitungsprogramme an. Was macht eine Schriftart mit dem Text, wie is das mit der Schriftgröße und Farbe, wie füge ich ein Bild ein? Diese Fragen werden dann via Buddy-System erklärt. Nach einer grundlegenden Information von mir können einige das Wissen bereits anwenden und zeigen sehr oft mit Begeisterung den anderen, langsameren, wie es geht.

Jetzt ganz konkret, damit mein geplantes Vorhaben – der unterschwellige Einsatz digitaler Medien im Unterricht – auch klappt:

  • umfassende digitale Ausstattung für Lehrende
  • gezielte und verpflichtende Fortbildungen oder
  • gezielte und passende Fortbildungen die freiwillig durch gesetzte Anreize besucht werden
  • Einheitliches Konzept pro Schulstandort mit Vernetzung zu Good-Practice von anderen
  • Gigabit-WLAN in allen Räumen
  • 1 zu 1 Ausstattung von Schülerinnen und Schülern
  • Extra Verwaltungspersonal, die für die Wartung sämtlicher Geräte da sind
  •  Einfach zu verstehende Anwendugsbeispiele und regelmäßige „Vor-Ort-Schulungen“

Schlusskommentar

Auch dieser lange Beitrag endet! Mit kombinierten Kenntnissen aus Medienpädagogik, Erziehungswissenschaft, Pädagogik, Medienerziehung, Mediendidaktik, Erfahrung und Grundzügen aus der Psychiatrie (Lernen) ist mir klar, dass Googeln nicht durch googeln erlernt werden kann und damit auch „speichern unter …“ kein auswendig gelerntes Verfahren sein kann. Viel mehr müssen die Hintergründe verstanden und das Eigeninteresse geweckt werden – und das geht natürlich schon ab sechs bis sieben Jahren (auch ohne digitale Endgeräte).

Wenn schon ein Auto, dann auch Datenanalyse!

Wenn schon ein Auto, dann auch Datenanalyse!

Ich bin sehr stark für das Reisen mit dem öffentlichen Verkehr oder individuellen, nicht umweltbelastenden Mitteln, wie etwa dem Fahrrad. Trotz meiner Umwelteinstellung besitze ich ein Auto, vor allem für die entlegenen Dörfer der Heimat. Häufig kann am Land der öffentliche Verkehr bei weitem nicht das bieten, was ein eigenes Auto kann. Immer, wann ich will und zumeist auch schneller – das sind die „guten“ Argumente, den Rest will ich hier nicht diskutieren. Datenanalyse (basic) hilft uns jedoch schnell und einfach herauszufinden, was denn so ein Auto tatsächlich kostet.

Im Screenshot von oben befindet sich das Data-Dashboard meines Autos. Das KFZ ist nicht sehr alt, jedoch auch nicht mehr das Neueste. Als ich den Kombi, bedingt durch meine musikalischen Tätigkeiten, 2016 gebraucht erwarb, wollte ich natürlich herausfinden, wie hoch denn die laufenden Kosten tatsächlich sind. Dazu erstellte ich mir ein einfaches Google-Formular. Art, Datum, Kilometerstand und Kosten werden darin vermerkt. Bei der Art gibt es auch die Rubrik „Tanken“, danach folgen die zugehörigen Kosten. Die Ergebnisse laufen in einer Google-Tabelle zusammen und sind nach dem Datum sortiert. Anfangs habe ich noch von Hand formatiert und die ein oder andere Grafik erstellt. 

Was sollte nun alles einfließen, damit eine detaillierte Berechnung herauskommt? Na alles! Primär sind natürlich die Anschaffungskosten, Versicherungen und Steuern, Tanken und Werkstattbesuche. Nicht vergessen sollte man auch die kleineren Dinge, wie etwa die Vignette, Pickerl, kleine Reparaturen (bspw. Glühbirne, Scheibenwischer, Kratzer, …), Parkplatzmiete oder die Kosten für die Reifeneinlagerung. In meinem Fall habe ich unter „Werkstatt“ alles zusammengefasst, was eben mit dem reibungslosen Betrieb zusammenhängt. Unter „Sonstiges“ gibt es dann bspw. die Vignette und meine Ausnahmeberechtigung zum Abstellen des Autos fällt unter „Parken“. So sieht dann meine Tabelle aus, nachdem ich das Google Formular (z.B. beim Tanken) mit dem Smartphone ausgefüllt habe.

 

Vorschau einer möglichen KFZ-Tabelle

Neueste Recherchen haben jedoch ergeben, dass Google selbst ein sehr mächtiges, jedoch einfach zu bedienendes Tool liefert. Ich begann also ein wenig mit dem Google Datastudio zu experimentieren. Das ist dabei herausgekommen und du kannst z.B. den Zeitraum auch wirklich auswählen:

Live

Übrigens: Das hier eingebettete Dashboard ist live und aktualisiert sich, wenn sich meine Grundliste ändert. Hier befinden sich alle wichtigen Kennzahlen und Auswertungen, die mich interessieren. Damit war bereits nach wenigen Wochen klar, dass die Dieselkosten gar nicht so entscheidend für die gesamten, laufenden Kosten sind. Sie bilden bei Nichtberücksichtigung der Anschaffungskosten nur knapp ein Drittel der KFZ-Ausgaben. Natürlich kann ich damit auch die Kosten pro Kilometer einfach berechnen.

Interaktive Schaltflächen, wie etwa der Zeitraum, verändern die Sichtweise. So werden zurückgelegte Kilometer oder auch Kosten für ein einziges Quartal dargestellt. Obwohl ich zuvor bereits in Microsoft Excel ähnliche Dashboards ausprobiert habe, kam ich bei Google quasi ohne Vorwissen aus. Durch reines ausprobieren gelang es mir in wenigen Minuten einen Bericht, so wird es bei Google genannt, zu erzeugen. 

Aussicht für die Zukunft

Im Datastudio lassen sich nicht nur vorgefertigte Listen aus Google-Tabellen verwenden. YouTube Daten, Google-Analytics, Facebook, u.v.m. gibt es hier zu entdecken. Ich meine, vorbeischauen lohnt sich. Als nächstes denke ich wohl an Daten aus der Schule – Schülerzahlen, Anzahl von Lehrenden oder was auch immer 😉

Persönliches Wissensmanagement

Persönliches Wissensmanagement

Was ist persönliches Wissensmanagement – was heißt eigentlich Wissensmanagement? Kurz und knapp beschäftigt sich Wissensmanagement (engl. Knowledge Management) mit der gezielten Strukturierung, Verwahrung und Zurverfügungstellung von Wissen. Vorerst beschäftigt man sich mit dem eignen, persönlichen Wissensmanagement (PWM), bevor an organisationalen Strukturen baut. Selbst für Privatpersonen lohnt sich hier ein tieferer Blick in die Trickkiste der Wissensmanager um eigene Abläufe zu optimieren.

Synergy Map – Ziele in einer Grafik

Um vorhandenes Wissen zu identifizieren reicht vorerst ein Brainstorming – Ziele für die Zukunft zu setzen ist ein wichtiger, nächster Schritt. Die Synergy Map, eine Art Karte, bringt kurzfristige, mittelfristige, langfristige und permanente Ziele in einer Grafik zusammen. Außen um den inneren Kreis herum stehen die konkreten Ziele. Diese sind teilweise voneinander abhängig, unterstützen sich oder haben einen negativen Einfluss aufeinander. Deshalb werden zusammenhängende Ziele mit einer Linie verbunden.

Positive und negative Einflüsse können bspw. mit verschiedenen Farben gekennzeichnet werden. In meinem Fall gibt es aktuell keine Ziele, die in negativer Abhängigkeit stehen, das war aber nicht immer so. Die Synergy-Map wird von Zeit zu Zeit aktualisiert und daher verändert.

Vorerst habe ich die Grafik auf Papier skizziert, dann digital mit einem Tablet gezeichnet und final ganz einfach in Powerpoint umgesetzt. In meinem Fall bewegt sich der kurzfristige Zeitraum innerhalb weniger Wochen, mittelfristige Ziele gehen bis zu einem Quartal und langfristige sind im aktuellen Jahr geplant. Die nächste Aktualisierung, bzw. eine neue Version könne schon im Sommer folgen, da die kurzfristigen Ziele bereits abgearbeitet wurden und neue hinzugekommen sind.

Von rechts oben im Uhrzeigersinn:

  • Blogbeiträge planen (smartraven.net Beiträge zu Lehr- und Studierthemen)
  • Wissen multimedialisieren (Texte, Bilder, Infografiken, Präsentationen, Blogpostings, Podcasts, Videos)
  • Wissen ordnen (Wissen in Kategorien wie Management, Schule, Browser, Tools, … einteilen)
  • Von „ego“ auf „WOL“ (Mehr veröffentlichen, was ich persönlich täglich mache)
  • Kongresse besuchen (auf Anraten  nehme ich diesen Tipp auf und versuche auf kommenden Lernkongressen zum Theme digitale Medien und eLearning teilzunehmen. Ebenso suche ich aktiv eine Möglichkeit mein Wissen Studierenden und oder Lehrenden in einer Lehrveranstaltung zu Vermitteln)
  • Beiträge anderer lesen und darauf reagieren (Der bisherige passive Modus meines öffentlichen Social-Media-Wirkens wird umgepolt. Durch Kommentare und Weiterleitungen soll ich wahrgenommen werden.)
  • Veraltetes Wissen archivieren (bereits überfällige Beiträge abspeichern oder verwerfen, wenn sie keine Relevanz mehr haben.)
  • Kontakte pflegen (Das Netzwerk, welches sich aus Kongressbesuchen, Studium, Weiterbildung und online-Präsenz ergeben aufrechterhalten.)
  • Kontakte knüpfen (Ein Netzwerk aus Personen in meine Umfeld und darüber hinaus aufbauen.)
  • Wissen teilen (Via Blog, lernit-YouTube-Kanal und Smartraven-Blog zur Verfügung stellen)
  • Wissen strukturieren (Kategorisierte Daten zeitkritisch anordnen, sodass schnell auf Aktuelles zugegriffen werden kann. Querverbindungen zwischen Medien und Inhalten herstellen)
  • Lernvideos erstellen (Zu Themen, die mich betreffen nach der Einarbeitungsphase einen Leitfaden erstellen und dazu passend Lernvideos erstellen. Bsp: WordPress)

Die Ziele sind klar – wie gehe ich mit Wissen um

Um Wissen zu generieren, muss es Quellen dafür geben. Für die Struktur gibt es Tools. Zum Schluss wäre es wünschenswert, wenn das eigene Wissen nach außen weitergegeben wird, damit auch andere davon profitieren.

Harold Jarches Seek-Sense-Share Framework ist eine praktikable Methode zur Strukturierung des eigenen Wissens. Seek steht hierbei für die Beschaffung von neuen Informationen, neuem Wissen. Das Weiterverarbeiten ist der Punkts Sense. Zentrale Fragen hierbei: Was ist relevant? Wie wird es eingesetzt? Wie kann ich es ordnen? Share soll zeigen, wie das eigene Wissen die Außenwelt, andere Personen erreicht. 

In meinem Fall ist das so aufgebaut:

SEEK

In social Media Kanälen wie Twitter, Facebook, Instagram und auch YouTube erhalte ich viele Informationen. Podcasts stellen für mich ebenso eine ganz neue und aktuelle Wissensquelle dar. Neben Fachzeitschriften lerne ich im persönlichen Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen weitere Dinge kennen und kann direkt neues Wissen daraus generieren.

SENSE

Ich schreibe viele Notizen in meiner Notiz-App am Handy oder Tablet. Meistens landet dies dann in gesammelten Dokumenten, die in Cloud-Speichern wie Google-Drive oder One-Drive landen. Ganz aktuell gestalte ich auch sehr gerne Infografiken, vor allem mit Photoshop oder dem Illustrator. Diese sind in der Adobe-Cloud abrufbar und mobil ebenso verfügbar. Für die vielen Fälle, in denen ich zu unpassenden Zeiten auf Interessantes stoße, habe ich die App Pocket. Dort werden alle Inhalte für später gespeichert. Goodnotes hilft mir am iPad schnelle Notizen und Grafiken zu erstellen. Neben dem Schreiben von Texten und dem erstellen von Infomaterial produziere ich Videos, in denen ich mein gelerntes Wissen teile. Diese landen dann meist in Kombination mit einem smartraven-Blogeintrag auf dem lernit-YouTube-Kanal.

SHARE

Vor allem über meinen Blog und meinen YouTube Kanal versuche ich das nun strukturierte Wissen zu teilen. Neben persönlichen Gesprächen teile ich diese Infos auch auf den Social-Mediaplattformen Twitter, Instagram und Facebook. Ich spreche über jeden Kanal ein teilweise vollkomen anderes Publikum an. Während ich grafische Dinge und Videos über YouTube und Instagram teile versuche ich sachlich und fachlich ansprechendes Material über Twitter zu verbreiten. Auf Facebook läuft alles zusammen, da dort sowohl Instagram-, als auch Twitter-Publikum angemeldet ist.

Smart Raven Logo (klein)

Durch die oben genannten Methoden ist mir vor allem bewusst geworden, dass PWM dabei hilft, festzustellen was, wie, wo, wann gelernt wird und werden kann. Ich wurde mir während der Erstellung des Seek-Sense-Share-Frameworks erst bewusst, dass hier eine Menge Arbeit auf mich zukommt. Die erste Synergy-Map hatte deshalb in der kurzfristigen Sektion eine Menge Organisationsziele, damit ich eben besser organisiert bin. Inzwischen kann ich mich von Woche zu Woche weiterentwickeln, fertige To-Do-Listen an und erledige die Punkte nach Wichtigkeit. 

Essentiell ist nun, dass ich diesen Blog aufgesetzt habe und befülle. Die Zentrale Rolle spielt für mich das Teilen von Wissen, sodass viele von wenigen profitieren können. Trotz aller digitalen Medien, Apps und Tools lege ich nach wie vor großen Wert auf das persönliche Miteinander. Durch die produzierten Videos versuche ich den Grat zwischen digitalem Medium und persönlichem Gespräche ein wenig zu verkleinern.

Als Kärntner in Wien Lehrer sein – der Anfang

Als Kärntner in Wien Lehrer sein – der Anfang

Nachdem ich in Kärnten am Land aufgewachsen bin und nie längere Zeit in der Stadt verbracht habe, zog ich nach Wien. Am Sonntag hin und am Donnerstag war schon der erste Termin in meiner Schule. Was mich dazu brachte in Wien zu bleiben und was dabei alles gut ist, berichte ich hier.

Vorgeschichte

Nach dem Lehramtsstudium in Klagenfurt war klar, dass in Kärnten nur ganz wenige, die mit mir studierten, einen Job erhalten werden. Ich war in einer guten Situation, da ich drei Angebote erhielt. Alle waren für sich schlecht. Entweder unsicher, in der Personalreserve oder weit weg. Ich beschloss also wegzuziehen. Vorarlberg hätte mir auch gut gefallen, meine bessere Hälfte jedoch war bereits in Wien. So ergab sich eine Win-win-Situation. Job und Freundin endlich am selben Ort. Ich bewarb mich schon im Juni bei der Stadt Wien um einen Posten. Leider ließ die Verwaltung lange auf sich warten und schlussendlich erhielt ich sogar eine Absage. Die Auskunft war: „Wir haben bereits genügend Lehrerinnen und Lehrer“. Da ich aber von einer ehemaligen Studienkollegin erfuhr, dass im Herbst oft noch Plätze frei werden, fuhr ich präventiv am Sonntag vor dem Schulbeginn nach Wien.

Am ersten Schultag passierte nicht viel, ich musste mich noch gedulden. Am Dienstagmorgen läutete dann mein Handy, eine 01er Nummer rief mich an. Die offenbar gestresste Dame ließ mich wissen, dass es noch freie Stellen für mich gäbe, wenn ich denn Interesse hätte. Das hatte ich und so las sie mir viele Schulen und Adressen vor – ich musste sie fünf Minuten später mit einer Antwort zurückrufen. Da ich keine Ahnung von Wien und den Schulen hier hatte, musste ich mich voll und ganz auf Google-Maps und die Webauftritte der Institutionen verlassen. Fazit: Eine Homepage schlechter als die andere, Kürzel und Vokabel, die ich nie zuvor gehört habe. Unteranderem begegneten mir KMS, WMS, NMS und MMS.

Am Ende gab es für mich persönlich zwei Schulen, eine in Favoriten mit Sprachenzweig und eine musisch-kreative in Penzing. Meine Freundin meinte, dass ich wohl eher in Penzing unterkommen sollte. Ich gab das telefonisch bekannt und bekam direkt einen Termin im damaligen Stadtschulrat, um meine Daten zu überprüfen: Donnerstag, 09:00 Uhr im ersten Wiener Gemeindebezirk. Um 11:00 Uhr sollte ich mich dann in der Schule melden und vorstellen. WMS stand in der Ausschreibung, die URL der Homepage begann mit KMS und auf der Homepage stand NMS.

Eine Kollegin und ich, das kam dann später heraus, übernahmen eine neu-aufgemachte 4. Klasse mit 18 Jugendlichen zwischen 14 und 17, die größtenteils kein Wort von uns verstanden. Der Zustrom aus aller Welt war zu groß, die Schülerinnen und Schüler konnten nicht verteilt werden. Eine Herausforderung im ersten Jahr des öffentlichen Dienstes. Gemeinsam und da bin ich meiner Kollegin dankbar, schafften wir es bis zum Ende des Schuljahres, einige bis in die Oberstufe zu bringen. Ein teilweise voller Erfolg. 

Neben den gefühlten 100.000 Abkürzungen und Dienstwegen, Gesetzen und Erlässen gibt es da noch das Unterrichten. Die Kinder verwenden bereits in der ersten Klasse die Artikel falsch, Fälle sind ebenso vertauscht. Das war ein Schock für mich – am Anfang zumindest. Ab und zu muss ich schon noch darüber lachen, doch eigentlich ist es eher traurig. Ich stellte fest, hier in Wien ist alles anders als am Land in Kärnten. Vor allem musste ich meinen Fokus nicht nur auf den Unterricht an sich setzen, sondern auch auf viele andere Probleme. Manche davon sind auch der Sprache geschuldet. Kinder können sich oft nicht ausdrücken oder verwechseln Wörter und verstehen andere nicht. Daraus ergibt sich ab und zu Streit. Nach dem ersten Jahr begann ich als Klassenvorstand einer ersten Klasse. Ich freute mich sehr darauf. Nach dem ersten Elternabend war mir klar woher das mit der Sprache kommt. Die Schülerinnen und Schüler haben oft Eltern, die selbst der deutschen Sprache kaum mächtig sind. Woher sollten die Kinder also die Unterrichtssprache lernen. Während meine Schülerinnen und Schüler Deutsch lernen, lerne ich unaussprechliche Namen und fremde Kulturen kennen.

Die erste Überraschung gab es zu Weihnachten. Ich schlug der Klasse vor, dass wir Wichteln könnten, doch niemand verstand mich, ich musste meine Kollegin zur Hilfe holen. Sie übersetzte: „Engerl und Bengerl meint Herr Hebein“. Danke auch an dieser Stelle. Die Kinder waren begeistert und das funktionierte auch hervorragend. Was ich nach Weihnachten erst erfuhr, manche Kinder feiern Weihnachten nur teilweise oder gar nicht. Zumindest gibt es in einigen Ländern und Kulturen keine Geschenke – das war mir völlig fremd, für die Kinder aber ganz normal. Das war wohl der Grund, warum sich so viele freuten.

Ganz anders als in der Heimat gibt es hier so viele verschiedene Namen, dass kaum gleiche in der gesamten Schule auftauchen. Sollte der seltene Fall eintreten, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man die Namen unterschiedlich schreibt. Eine Herausforderung für mich, weil ich mir Vokabeln genauso schlecht merke wie Namen. Ich musste mich zu Hause hinsetzen, die Namen lernen und auch die Aussprache. Es gibt wohl kaum etwas schlimmeres, als wenn der Lehrende ständig „du da“ sagen muss.

Ich muss schon sagen, dass jeder in der Heimat nur den Kopf schüttelt, wenn er erfährt, dass ich in Wien Lehrer bin. Die erste Frage, die mir immer gestellt wird, lautet: „Und, wie sind denn die Kinder, schlimm, oder?“. Ich muss dann eigentlich immer erklären, dass es Kinder sind, wie auch in Kärnten am Land. Die einen frecher, die anderen fleißiger. Natürlich ist die Sprache ein großes Thema, jedoch ist das auch kein Wunder, wenn fast jeder fünfte Einwohner von Österreich in Wien lebt. Da gibt es natürlich mehrere Personen, die nicht deutsch sprechen. Auch muss man bedenken, dass es bis vor kurzem in meiner Heimat nicht mal ein Unterstufengymnasium gab. Meine Hauptschule war also eine Gesamtschule – es wurde nicht ausgesiebt, ein Vorteil denke ich.

Mir gefällt es in Wien vor allem, weil ich den Kindern wirklich ein Vorbild sein kann. Beschwerden gibt es vorrangig nur darüber, dass ich streng bin. Ich versuche einen Mittelweg aus mütterlicher Liebe und väterlicher Strenge zu finden. Bislang verlief das ganz gut. Auch die Anonymität genieße ich sehr, wenn ich in meine Wohnung fahre oder mich mit Kollegen und Freunden treffe. Es gibt fast keine Gerüchte über dein Privatleben, wenn niemand weiß wo du eigentlich wohnst und was du sonst so machst. Auch ist es schön, dass ich jederzeit Exkursionen durchführen kann, die Möglichkeiten sind fast grenzenlos. Ich bin viel Unterwegs mit meiner Klasse. Museen, Theater, Kino, Parkanlagen, Sporthallen, Sightseeing, Donauturm, Natur, Wald, schwimmen, u.v.m. bieten willkommene Abwechslungen.

Ein letzter Punkt ist wohl die Freundschaft. In meinem Kollegium habe ich tolle, professionelle, motivierte und nette Menschen kennengelernt. Daraus entwickelten sich auch Freundschaften – man kann sich aufeinander verlassen und unternimmt Dinge miteinander.

… was bisher geschah

… was bisher geschah

Schön, dass du hier gelandet bist. Du beginnst gerade meinen ersten Blog-Eintrag zu lesen. Warum ich da bin, wo ich bin und wie der Alltag mich überholt und ich ihn einhole, wird durch diesen Blog ersichtlich. Wie alles begann habe ich noch gut in Erinnerung. Bereits in der Hauptschule besuchte ich den freiwilligen Informatikunterricht. Der interessierte mich, obwohl ich gar keinen Computer mein Eigen nennen konnte. Neben einem Taschenrechner konnte ich nur ein unzerstörbares Nokia-Handy vorweisen. Trotzdem gelang irgendwann der technische Durchbruch in meiner Familie. Neben einem 56k Modem und einer zehn Meter langen Telefonleitung quer durchs Haus schaffte sich mein Vater einen Stand-PC samt Röhrenmonitor an.

Irgendwann, als ich wohl damit ein wenig herumspielte, gelang der Einstieg ins Internet nicht mehr. Mein nun wütender Vater konnte keine „wichtigen“ E-Mails mehr abrufen. Die mir auferlegte Strafe bestand darin, diesen Fehler wieder gerade zu bügeln. Puh. So musste ich wohl oder übel mit dreizehn oder vierzehn stundenlang Gebrauchsanweisungen lesen. Nach Tagen fand ich die Lösung: Beim Herumexperimentieren deaktivierte ich wohl die Netzwerkkarte(n). Nach der Aktivierung war alles wieder in Ordnung und das Modem brummte und pfiff wie am ersten Tag.

Das war es wohl – mein Interesse für Computer sollte nun eigentlich wie weggewaschen sein. Dem war nicht so. Mit der Zeit entwickelte ich mich zu einem Tüftler auf diesem Gebiet. In der ersten Klasse Oberstufe habe ich wohl dem ein oder anderen Lehrenden geholfen, wenn im Informatikraum etwas nicht klappte. Im Laufe der Schulzeit bis zur Matura passierte viel auf diesem Gebiet. Ich verpasste keine Präsentation von neuen Grafikkarten, USB-Gadgets oder Online-Artikeln von PC-Zeitschriften. Ich vertiefte mich so sehr, hatte aber kein Geld für aktuelle technische Geräte. Das ist heute jedenfalls nicht mehr so – leider. Ich bin hier wohl der Firma mit dem Apfel zum Opfer gefallen. Seit Jahren sind die Worldwide Developers Conferences, sowie alle anderen Präsentationen Pflichttermine für mich. Zwar ist die englische Sprache nicht meine Stärke, auf dem technischen Gebiet jedoch vollkommen ausreichend.

Inzwischen ist mein Interesse viel gezielter geworden. Nun gibt es für mich vor allem gezielte Recherche zu diversen Themen. Vor ein paar Jahren, als ich mein Mittelschullehramt in Klagenfurt beendete und nach Wien zog, merkte ich, dass ich in der Kreidezeit angekommen bin. Noten, Daten, Verarbeitung – das war alles maximal auf Papier gestaltet. Die Tafeln sind alt und hören nur auf eine Sprachsteuerung, wenn eine Schülerin oder ein Schüler zur Hilfe gebeten wird. Könntest du bitte die Tafel löschen – Schreib das Ergebnis an die Tafel – Klapp doch bitte die Tafel wieder zu. 

Das gab mir wohl neue Motivation meine Recherche im digitalen Bereich zu verändern. Stundenlang verbrachte ich Zeit in meinem Lieblingscafé im 7. Bezirk. Weit genug weg vom Arbeitsplatz und von zu Hause, sodass es leicht möglich war dort interessanten Themen nachzugehen. An dieser Stelle sei angemerkt, dass mein Studium mich nicht optimal auf technologische Lösungen in der Schule vorbereitet hat. Durch das Selbststudium erlernte ich den Umgang mit Programmen, Office-Lösungen, Internetanwendungen und Handy-Apps viel intensiver als gedacht. Natürlich kommt man vom Hundertsten ins Tausendste und muss dann wieder auftauchen, weil man sonst untergeht. Immer wieder wurde ich zurück auf den Boden der Tatsachen geworfen. Ich kann heute noch nicht programmieren und wenn ich auf diesem Gebiet etwas benötige muss ich mich auf Internetforen und Code-Schnipsel verlassen. Microsoft Excel beispielsweise kostete mich über 100 Stunden. Doch heute, ein paar Jahre später, kann ich sagen: Es hat sich voll und ganz gelohnt. 

Heute bin ich zwar immer noch kein Programmierer – doch die sind dafür oft keine Anwender. Ich bin Anwender. Ich optimiere laufend meine Prozesse und nutze dafür digitale Medien. Trotzdem genieße ich es mit einer Füllfeder auf Papier zu schreiben.

In naher Zukunft teile ich vermehrt Wissen, dass ich mir über die Jahre angeeignet habe. Ebenso werde ich aktuelle Themen, die mir nützen beschreiben. Viel Spaß also und bis zum nächsten Mal.