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Die ergänzende differenzierende Leistungsbeschreibung – Erklärung und Vorlagen

von | Jan 29, 2022 | Allgemein, Digitale Schule, Praktisch, Software

Lehrende der Sekundarstufe 1, also auch jene der Mittelschule oder der AHS-Unterstufe sind von der EDL (ergänzende differenzierende Leistungsbeschreibung) betroffen. Meiner Erfahrung nach hilft eine Vorlage bei der Administration und vor allem auch bei der Transparenz. Es gibt bspw. von der Bildungsdirektion Niederösterreich oder jener in Wien auch Vorlagen, die mehr oder weniger hilfreich sind. Was Vorlagen oft vereint ist entweder die Komplexität für Schülerinnen und Schüler oder der immense Aufwand für Lehrende/Klassenvorstände. Mit diesem Beitrag soll auch eine Vorlage für alle angeboten werden – wer will, darf sich bedienen.

Muss die edL gemacht werden?

Die kurze Antwort lautet ja. Bei der Begründung für die längere Antwort halte ich mich an Informationen des Bildungsministeriums und auch an geltende Gesetze. So steht etwa im §22 (1a) des Schulunterrichtsgesetzes (SchuG):

Der Schülerin oder dem Schüler der Mittelschule ist für jede erfolgreich absolvierte Schulstufe mit Ausnahme der 8. Schulstufe zusätzlich zum Jahreszeugnis eine ergänzende differenzierende Leistungsbeschreibung auszustellen, die in schriftlicher Form die Leistungsstärken sowie Lernfortschritte der Schülerin oder des Schülers ausweist.

Ebenso findet sich im Dokument „Die Mittelschule – Änderungen ab dem Schuljahr 2020/21 im Überblick“ des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung auf Seite 11 dieser Vermerk:

Als schriftliche Erläuterungen sind in der Mittelschule sowohl die ergänzende differenzierende Leistungsbeschreibung (EDL) als auch die schriftliche Erläuterung der Ziffernnoten gemäß § 18 Abs. 2 SchUG zu verstehen.

Zuletzt ist auf der Website des Bildungsministeriums folgendes zu lesen:

Die Ergänzende differenzierende Leistungsbeschreibung hält in schriftlicher Form die Leistungsstärken sowie die Lernfortschritte der Schülerin bzw. des Schülers fest. Sie wird in der 5. bis 7. Schulstufe zusammen mit dem Jahreszeugnis, in der 8. Schulstufe gemeinsam mit der Schulnachricht ausgehändigt.

Da in den diversen Texten nur von einer Ausstellung der edL an Schülerinnen und Schüler die Rede ist, nicht aber genau geregelt wird in welcher Form dies erfolgen soll, kann dies auch teilautomatisiert gemacht werden [meine Interpretation].

Was soll in dem Dokument stehen?

Ein solches Dokument sollte natürlich die „harten Daten“ der Schule beherbergen. Neben dem Namen, einem Datum kann auch die Klasse und das Schuljahr angeführt werden. Darüber hinaus ist das Dokument durch den Namen des/der Schülers/Schülerin individualisiert.

Welche Kompetenzen im Dokument aufscheinen ist natürliche Sache der Lehrenden, der Lernenden, der Schule und vielleicht auch übergeordneten Institutionen. Im „Fall“ Wien gibt es eine ausgearbeitete Vorlage, die kostenlos online abgerufen werden kann. Dabei stützt sich das System auf ein PDF-Formular, an dem meine Schülerinnen und Schüler gescheitert sind. Das soll keinesfalls bedeuten, dass die Vorgehensweise schlecht durchdacht ist sondern einzig und allein die Komplexität unterstreichen.

Am Beispiel aus Wien wurde in fünf verschiedene Bereiche untergliedert:

  • Computerkompetenz
  • Lernkompetenz
  • Soziale Kompetenz und Bürgerkompetenz
  • Eigeninitiative und unternehmerische Kompetenz
  • Kulturbewusstsein und kulturelle Ausdrucksfähigkeit

Dabei sind eben genau fünf verschiedene Dokumente Dokumente entstanden, wobei für die Ausgabe der edL im Laufe der vier Schuljahre (1. – 4. Klasse) jedes Jahr ein Dokument bearbeitet werden kann, in der letzten Klasse dann aber zwei. Damit erfüllt man alle Bereiche. Es bleibt natürlich freigestellt, wann welcher Bereich durchgeführt wird und vor allem auch welche Kompetenzen in den Dokumenten vermerkt sind.

Vorlagen machen mir das Leben einfacher

Als Betroffener wurde ich gebeten für eine Schule ein Konzept zu erwarbeiten, dass es meinen Kolleginnen und Kollegen am dortigen Schulstandort erleichtert die edL „durchzuführen“.

Probleme die bestanden:

  • PDF-Formular für manche Schülerinnen und Schüler zu komplex
  • Verschiedene Versionen führten zu Datenverlust
  • Alternative: PDF-Dokumente ausdrucken (min. 2 Seiten pro Kind)
  • Viel Tipp-Arbeit und Administration für Lehrende/Klassenvorstände

Aktueller Stand der Dinge:

  • teilautomatisierte Vorlage, die über das hausinterne Lernmanagement-System ausgegeben wird
  • Einmaliger Ausdruck pro Schüler bzw. pro Schülern für die Unterschrift und ggf. den Stempel

Realisiert wurde alles mit Hilfe von Google-Tabellen, das virtuelle Austeilen gelang via Google Classroom (Kopie für jeden). Die Schülerinnen und Schüler sollen ein Tabellenblatt befüllen, wobei die betreffenden Kompetenzen sichtbar sind und eine Punktezahl von eins (trifft nicht zu) bis vier (trifft voll zu) vergeben werden kann. Aus diesen und den Angaben der Lehrperson heraus wird ein zweites Tabellenblatt generiert, das ausgedruckt werden kann. Es beherbergt die Kompetenz, sowie auch zu wie viel Prozent diese eingeschätzt wurde.

Beispiel: Schülerinnen und Schüler müssen sich bei drei Einzelkompetenzen zum Thema „Dokumente bearbeiten“ einschätzen. Aus den drei Einzelkompetenzen leitet sich ein Prozentwert ab, also zu wie viel Prozent erfüllt der Schüler oder die Schülerin die Kompetenz „Dokumente bearbeiten“. Als zweiten Schritt folgt noch die Einschätzung der Lehrperson, die hellgrau daneben abgedruckt ist.

Vorgehensweise und good practice

Direkt von „best practice“ zu schreiben maße ich mir nicht an, eine gute Herangehensweise könnte aber das hier sein:

  • Konferenz mit Lehrenden, wobei sich diese über die einzelenen Kompetenzen austauschen. Das sorgt schulintern für Einheitlichkeit und gleichzeitig führt eine Aufteilung der Aufgaben zu keiner Mehrbelastung Weniger.
  •  Jetzt steht fest, welche Lehrenden für welche Bereiche der edL zuständig sind. Diese haben auch die passenden Kompetenzen ausgewählt und die unpassenden herausgelöscht.

Ein kleiner Einwurf: Eine Informatiklehrerin, der in der 1. Klasse unterrichtet könnte die Einschätzung zur Computerkompetenz durchführen, ein Musiklehrer eventuell jene zum Kulturbewusstsein und der kulturellen Ausdrucksfähigkeit.

  • Über das Lernmanagementsystem der Schule wird nun digital das jeweilige Dokument ausgeteilt (z.B. Computerkompetenz inder 1. Klasse und Lernkompetenz in der 2. Klasse). Dieser Schritt erfolgt entweder über den Klassenvorstand oder direkt über die betreffenden Lehrenden.
  • Nachdem die Schülerinnen und Schüler das Dokument erhalten haben, tragen diese die Zahlen eins bis vier in die Vorlage ein und geben das Dokument ab.
  • Im Anschluss schätzen nun die betreffenden Lehrpersonen ein – die edL ist fertig.

Nun kann das „Ergebnisblatt“ ausgedruckt und unterfertigt werden – das Dokument wird den Schülerinnen und Schülern mitgegeben (1. – 3. Klasse: Jahreszeugnis; 4. Klasse: Schulnachricht).

 

Hilfe! Ich bin Lehrerin oder Lehrer. Wie funktioniert diese Vorlage?

Unten in diesem Beitrag gibt es die jeweiligen Formate (Excel oder Google Tabelle). Die Vorlage kann angepasst werden, Kompetenzen können verändert oder gelöscht werden. Die fünf Dokumente sind gleich aufgebaut, manuell muss Klasse, Schulname, Logo usw. angepasst werden. Danach wird das Dokument gespeichert, digital ausgeteilt (Google Classroom/MS-Teams; Kopie für jeden) und von Schülerinnen und Schülern befüllt.

Natürlich muss man zur Vorbereitung ein wenig Zeit investieren – damit gibt es dann aber eine einheitliche Regelung für eine gesamte Schule. Wenn ein Klassenvorstand das nur für die eigene Klasse verwendet bieten die Vorlagen trotzdem eine Zeitersparnis.

HINWEIS: Das zweite Tabellenblatt sollte geschützt werden, damit Schülerinnen und Schüler nicht versehentlich Formeln löschen. Ausgedruckt wird nur das zweite Blatt (bei Google Tabelle auf „Hochformat“ beim Drucken achten).

Materialien

Die Vorlagen stützden sich auf die Kompetenzen der Bildungsdirektion Wien und auch das Dokument sieht ähnlich aus. Ich stelle meine Werke hier kostenfrei zur Verfügung, du kannst diese verwenden und auch anpassen.